Beiträge von milo

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    Ich wollte mich mal bemühen um Argumente, welche unabhängig von auf die jeweilige Situation angepassten Argumenten funktionieren im Sinne eines Stadbildes, wie es sich das Forum vorstellen. Zustätzlich werde ich versuchen, die häufigsten Gegenargumente in diesem Strang zu sammeln und Gegenpositionen zu formulieren. Bei allem kein Anspruch auf Vollständigkeit.


    Argument 1: Gebäude müssen so errichtet und gestaltet sein, dass sie Alterung gut vertragen und für Städte auch in investitionsarmen Zeiten keine schnellen Verfallserscheinungen tragen.


    Hierunter fallen viele moderne Bautechniken, wie die des Sichtbetons, fehlender Wetterschutz, oft in Zusammenhang mit exponiertem Holz in der Fassade, große einheitlich gestrichene Farbflächen, falsche Isolierungskonzepte, viele der eher dunkleren Farbtöne, wie Bordeauxrot, Fassadenbegrünung. Alle diese Bautechniken haben gemeinsam, dass sie in Gebäudezeitrechnung früh Überholung bedürfen. Sei es, weil die Farbe ausbleicht, Grünspan sich bildet oder der Beton immer stärker seine Oberflächenbeschaffenheit einbüßt. Traditionelle Techniken dagegen nutzen häufig hochwertigere Materialien, wie Steinsockel, aber auch haltbarere abwechslungsreiche Fassadengestaltungen, welche von möglichen Alterungsprozessen ablenken. Somit sehen sanierte Altbauten nach 25 Jahren besser aus, als ein moderner Bau nach 25 Jahren.


    Argument 2: Tourismus braucht Authentizität


    Tourismus bildet ein ökonomisch höchst attraktives Fundament, selbst von eher strukturschwachen Regionen. Er ermöglicht dauerhafte Planbarkeit, anders als jeder anderer Wirtschaftszweig. Authentizität lässt meist nur mit regionaler Besonderheit und Stimmigkeit erreichen. Stilbrüche, die diese Kohärenz schwächen, schwächen auch den Wert der touristischen Attraktivität. Es gibt nur wenige Ausnahmen, bei denen das Moderne einen selbstständigen Anziehungspunkt erschaffen hat. Z.B. bei ikonischen Kulturbauten oder auch manchen Städten, deren Image und touristisches Interesse nun um Hochhäuser angesiedelt ist. Absehen von diesen Ausnahmen, muss die breite Masse an Stadträumen mit dem arbeiten, was sie hat, und dieses pflegen und erweitern. Dies dürfte deutlich nachhaltiger sein, als zu riskieren mit dem Versuch etwas in wenigen Jahrzehnten international konkurrenzfähiges zu erschaffen, zu stranden.


    Argument 3: Die vollkommen künstliche Erschaffung von lebenswertem Stadtraum ist gescheitert


    Eines der Ambitionen der Moderne, und auch folgender architektonischer und stadtplanerischer Konzepte war einen lebenswerten Stadtraum in einem Planungsprozess auf dem Papier erschaffen zu können. Die verschiedensten Anläufe dazu sind - ja, mussten - alle mehr oder weniger scheitern. Kein Mensch ist Hellseher, keiner kann alle Faktoren einberechnen. Weshalb ein Aufbau auf alter Struktur, alter Bausubstanz stets zu besseren Ergebnissen führt, da man sich über Generationen Zeit lässt optimale Lösungen zu finden und jeweils dann nur auf wenige Aspekts hin Verbesserungen noch erzeugen muss. Beginne ich jedes Mal jedoch von Grund auf neu, habe ich dieses Wissen verloren und stochere im Nebel.